12./18. September 2013

Grüße und Küsse an alle

Lesung mit Buddy und Gerti Elias

Am Abend des 12. Septembers 2013 trafen 13 Buchexpertinnen und Buchexperten unter der Leitung von Marie-Louise Lichtenberg auf zehn sehr interessierte Besucher des JUCA sowie vier weitere Jugendliche aus dem Jugendwohnheim, die zusammen mit ihrem Betreuer zum „ersten Literaturabend“ im Café am Markt gekommen waren. In ihrem Koffer hatte der Leseclub Das Tagebuch der Anne Frank, da sie sich in ihren Leseclubstunden bereits intensiv mit der Zeit des Nationalsozialismus beschäftigt hatten. Die Buchexperten berichteten von ihrem Besuch im Mai 2013 im Anne-Frank-Haus in Amsterdam, lasen Textstellen aus dem Tagebuch vor, stellten ihre Ansichten dar und beantworteten die Fragen der anderen. Mit ihrer Themenwahl hatte der Leseclub ins Schwarze getroffen: Noch immer bewegt die Jugendlichen die Verbrechen des Nationalsozialismus. Nicht zuletzt, weil auch sie mit den Themen Rassismus und Ausgrenzung Erfahrung haben und eigene Anknüpfpunkte in der Literatur entdecken konnten. Dieses erste Zusammentreffen war nur der vorbereitende Auftakt für die eine Woche später stattfindende Lesung mit Buddy Elias, dem letzten noch lebenden Verwandten von Anne Frank, zu der nun auch die Besucher des JUCA von ihren gleichaltrigen Mitschülern explizit eingeladen wurden.

18. September 2013 – Buddy Elias, der mittlerweile 88-jährige Cousin von Anne Frank, war zusammen mit seiner Frau Gerti von Basel nach Wermelskirchen gereist. Ihr Alter sah man den beiden nicht an. Der Schauspieler, der auch schon mit George Clooney gedreht hat, schwang sich vor seinem Publikum auf den Tisch und sprach von diesem Sitzplatz aus zu ihnen. 90 Minuten lang herrschte eindrucksvolle Stille unter den 120 jugendlichen Zuhörern, während das Ehepaar von seinen Erfahrungen während des Nationalsozialismus, von der Judenverfolgung und der Deportation der Familie Frank berichtete. Ergänzend lasen sie einige Textstellen aus dem Buch Grüße und Küsse an alle von Gerti Elias und Mirjam Pressler, das auf zahlreichen Fotos, Briefen und Dokumenten der Familie Frank basiert. Die Textpassagen beleuchteten für die Schüler u.a. den Beschluss der Wannsee-Konferenz zur „Endlösung der Judenfrage“ oder den Bericht einer überlebenden Bekannten, die im KZ Bergen-Belsen die letzten Tage von Anne und ihrer Schwester Margot Frank miterlebt und ihre Leichname, in eine Decke gehüllt, in einem Massengrab beerdigt hatte. Auf die Frage, wie er all die schrecklichen Erlebnisse der Vergangenheit verarbeite, antwortete Buddy Elias: „Was mir hilft, ist durch die Welt zu reisen und mit jungen Menschen wie euch darüber zu reden. Es ist toll, zu sehen, dass ihr Interesse zeigt. Das berührt mich sehr.“ Die gegenseitige Wertschätzung war im Raum deutlich spürbar. Die Buchgeschenke Grüße und Küsse an alle oder Das Tagebuch der Anne Frank, die sich im Anschluss viele Jugendliche signieren ließen, waren nicht mehr nur ein Buch, sondern sie wurden zu einem Stück persönlicher Lebensgeschichte. Für alle interessierten Literanauten setzte sich der Abend darüber hinaus mit einem gemeinsamen Abendessen mit den beiden Zeitzeugen fort. Grenzen wurden überwunden, ein Bündnis geschlossen.


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